Warum wird das Gesicht beim Betreten eines Landes beim Zoll gescannt und wie kann sich das neue iPhone ohne Berührung entsperren? Hier gibt es Antworten.

Was ist Gesichtserkennung?

Techopedia definiert Gesichtserkennung als „eine biometrische Softwareanwendung, die dazu in der Lage ist, eine Person eindeutig zu identifizieren oder zu verifizieren, indem sie Muster vergleicht und analysiert, die auf den Gesichtskonturen der jeweiligen Person basieren.“

Oder einfacher ausgedrückt: Jeder Mensch hat eine einzigartige Gesichtsstruktur. Die Software analysiert die Merkmale eines Gesichtes, vergleicht sie mit Informationen aus einer Datenbank und identifiziert auf dieser Basis Personen.

Wie funktioniert Gesichtserkennung?

Die Technologie kann bei unterschiedlichen Systemen der Gesichtserkennung variieren. Allgemein funktioniert sie nach folgender Vorgehensweise:

Schritt 1: Gesichtsermittlung

Zu Beginn ermittelt und erkennt eine Kamera ein Gesicht – ob von einem Menschen oder einer Person in einer Menschenmenge. Für das System ist die Gesichtserkennung am einfachsten, wenn die Person direkt in die Kamera schaut. Die Fortschritte der aktuellen Technologien ermöglichen jedoch auch die Ermittlung mit leichten Abweichungen des Winkels.

Schritt 2: Gesichtsanalyse

Anschließend wird ein Foto von dem Gesicht gemacht und dieses analysiert. Häufig basieren die Analysen auf 2D-Bildern und nicht auf 3D, da diese besser mit öffentlichen Fotos oder denen aus einer Datenbank abgeglichen werden können. Jedes menschliche Gesicht hat 80 Knoten- bzw. Orientierungspunkte, durch die es sich von anderen unterscheidet. Die Gesichtserkennungssoftware analysiert diese Punkte – Beispiele dafür sind der Abstand zwischen den Augen oder die Form der Wangenknochen.

Schritt 3: Konvertieren eines Bildes in Daten

Die Analyse des Gesichts wird im folgenden Schritt in eine mathematische Formel umgewandelt – jedes Geschichtsmerkmal stellt eine Zahl in einem Code dar. Dieser numerische Code wird „Gesichtsabdruck“ genannt. Ähnlich wie die einzigartige Struktur jedes Fingerabdrucks hat jeder Mensch seinen individuellen Gesichtsabdruck.

Schritt 4: Eine Übereinstimmung finden

Der Code wird schließlich mit einer Datenbank – die Fotos für die Identifikation enthält – verglichen.

Beispielsweise ist Facebook eine Foto-Datenbank, auf die viele Zugriff haben. Alle Fotos, die mit dem Namen einer Person getaggt werden, sind Teil dieser Datenbank und werden dieser Person zugeordnet.

Die Technologie erkennt, dass die genauen Merkmale eines Gesichts mit einem Foto in der verfügbaren Datenbank übereinstimmen und gibt die Identifikation samt anhängender Informationen, wie z. B. Name und Adresse, wieder.

Wo wird Gesichtserkennung genutzt?

Geräteschutz

Manche Apps nutzen die Gesichtserkennung, um die persönlichen Daten der User zu schützen, denn Passwörter allein bieten nicht immer ausreichende Sicherheit vor cleveren Hackern. Bei solchen Apps wird das Gesicht zur Entsperrung des Smartphones oder für den Zugriff auf private Informationen verwendet.

Gen-Defekte identifizieren

Gesundheits-Apps wie Face2Gene oder Software wie DeepGestalt, nutzen die Gesichtserkennungstechnologie, um einen genetischen Defekt bei Menschen zu erkennen. Sie analysieren Gesichter und vergleichen sie auf der Basis einer Foto-Datenbank, die Informationen über Personen mit diesem Gen-Defekt enthält.

Ladendiebstahl

Die Gesichtserkennungssysteme einiger Geschäfte identifizieren Personen als Bedrohung, wenn sie zuvor einmal etwas gestohlen haben. Ein solches System erkennt Diebe und informiert den Ladenbesitzer über vergangene Straftaten – selbst wenn die Person diesen spezifischen Laden noch nie betreten hat. Das System speichert diese Informationen und bietet Ladenbesitzern so einen großen Vorteil. Oft wird allerdings die Genauigkeit infrage gestellt: Wird eine unschuldige Person irrtümlicherweise als Dieb gekennzeichnet, könnte dieser Fehler ihr ganzes Leben beeinflussen.

Alkohol kaufen

Es existieren bereits Supermärkte und Bars, beispielsweise in Großbritannien, die Gesichtserkennungstechnologien verwenden. Das System stellt fest, ob die Person alt genug ist, um Alkohol zu konsumieren. So können Kunden in Supermärkten die Selbstbedienungskasse auch für Alkohol nutzen, ohne dass ein zusätzlicher Mitarbeiter zur Überprüfung der Ausweise anwesend ist.

Sicherheit in Schulen

Die ersten Schulen integrieren bereits Gesichtserkennungssysteme: Eine Schule in Schweden nutzt die Technologie, um die Anwesenheit der Schüler im Unterricht zu prüfen. In den USA wird der Einsatz als „Frühwarnsystem“ vor Bedrohungen durch Personen, wie beispielsweise Sexualstraftätern, getestet. Außerdem erkennt das System zehn unterschiedliche Arten von Waffen und kann so Gewalttaten in Schulen vorbeugen.

Airline-Nutzung

Airlines wie Delta oder JetBlue setzen auf Gesichtserkennung, um Fluggäste zu identifizieren. Die biometrische Gesichtsabtastung ist optional: Fluggäste können ihr Gesicht so als Ticket verwenden, was ihnen Zeit und Aufwand erspart.

Apps, die Gesichter verändern

Ein Social Media Feed, gefüllt mit den grauhaarigen Gesichtern von Senioren? FaceApp, ein Alterungsfilter, nutzt die Gesichtserkennung, um Gesichter altern zu lassen. In den sozialen Medien erfreuen sich solche Filter immer größerer Beliebtheit. Jedoch gibt es Bedenken, die die Sicherheit der gesammelten Daten betreffen.

Die Bedenken bei Gesichtserkennung

Während bereits zahlreiche Branchen die biometrische Gesichtserkennung in ihre tägliche Arbeit integrieren, zweifeln andere die Zuverlässigkeit dieser Technologien an. Fehler bei der Identifikation, Schutz und Missbrauch von Daten sind Themen, die den Gegnern des Systems Sorgen bereiten.

Fehler bei der Identifikation

Nicht immer kann die Technologie Gesichtsabdrücke akkurat mit der Datenbank abgleichen. Fehler entstehen meist durch schlechte Bilder sowie fehlende Informationen in der Datenbank. Schlechte Lichtverhältnisse oder mangelhafte Bildqualität erschweren dem System die Analyse der Knotenpunkte des jeweiligen Gesichts. Sobald ein bestimmter Winkel des Gesichts nicht erkennbar ist, werden Daten beeinflusst – es entsteht ein Fehler im Gesichtsabdruck, der die genaue Übereinstimmung mit einem Foto der Datenbank unmöglich macht.

Datenschutz

Große Sorgen bereitet auch der Datenschutz. Im Grunde genommen kann die Technologie Personen verfolgen und Standorte sowie andere sensible Daten festhalten. Häufige Datenlecks verbreiten Unruhe – auch die personenbezogenen Daten, gespeichert von der Gesichtserkennungssoftware, sind nicht immun gegen clevere Hacker.

Missbrauch von Daten

Viele Gesichtserkennungsdatenbanken sind öffentlich. So haben nicht nur private Unternehmen die Möglichkeit, Informationen für Werbezwecke zu missbrauchen. Auch jede andere Person – ob mit guten oder bösen Absichten – kann Datenbanken durchforsten, Menschen erkennen und aufspüren.

Wie Sie sich schützen können

Machen Sie Schluss mit dem Markieren von Fotos in Social Media. Riesen wie Facebook und Google verfügen dank ihrer User über eine eigene Gesichtserkennungsdatenbank – Nutzer laden ihre Fotos freiwillig hoch und markieren sich gegenseitig. Wenn Sie eine mögliche Verfolgung oder Überwachung effektiv vermeiden und sicher sowie identitätsfrei surfen möchten, sollten Sie sich selbst und andere Personen nicht mehr auf Ihren Fotos taggen. Wenn Sie von Freunden auf Bildern markiert wurden, sollten auch diese Markierungen vorsichtshalber entfernt werden.

Surfen mit VPN-Verbindung

Damit Shops Ihre Kaufgewohnheiten im Geschäft nicht mit Ihren Online-Aktivitäten verknüpfen, empfehlen wir eine sichere VPN-Verbindung. So werden Online-Aktivitäten „verdeckt“. Mit der richtigen Einstellung ermöglichen die IT-Sicherheitslösungen von Panda Security, anonym bzw. identitätsfrei zu surfen. So können Sie die Masse an Informationen auf ein Minimum reduzieren, die mit Ihren Fotos in den Datenbanken in Verbindung gebracht werden.

Systeme zur Gesichtserkennung werden unsere Gesellschaft weiterhin begleiten – sie werden weiterentwickelt und immer schneller, zuverlässiger sowie sicherer. Bleiben Sie up to date und schützen Sie sich mit der passenden Sicherheitslösung, wie der von Panda Security, vor Identitätsdiebstahl.