Die Debatte darüber, ob und ab welchem Alter Kinder ein Smartphone haben sollten, ist nicht neu. Inzwischen ist es gängige Praxis, dass auch jüngere Kinder häufig schon ein internetfähiges Telefon oder ein eigenes Tablet besitzen. Viele Eltern finden es vielleicht auch ganz praktisch, dass die (kindgerechten) mobilen Apps ihre Kleinen für die eine oder andere Stunde beschäftigen.

Jedoch ist nicht alles so harmlos, wie es scheint, wenn es um Spiele-Apps und Webseiten für Kinder geht. Viele von ihnen sollten uns misstrauisch machen hinsichtlich der privaten Informationen, auf die diese Apps zugreifen wollen, und wie sie diese Daten nutzen bzw. an wen sie diese weitergeben.

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Aus diesem Grund hat die Organisation Global Privacy Enforcement Network (GPEN), ein Zusammenschluss von 29 Datenschutzbehörden weltweit zur Verbesserung des grenzübergreifenden Datenschutzes, jüngst eine Untersuchung durchgeführt, in der sie knapp 1.500 Apps und Webseiten für Kinder und Jugendliche genauer unter die Lupe nahm.

Das Ergebnis gibt Anlass zur Sorge: 67 Prozent der untersuchten Angebote speicherten persönliche Informationen wie Namen und Adressen der Kinder. Rund die Hälfte der Apps und Webseiten teilte diese privaten Daten mit Dritten. 22 Prozent der geprüften Angebote gehen sogar noch weiter und bieten den minderjährigen Nutzern die Möglichkeit, ihre Telefonnummer einzutragen; 23 Prozent erlauben ihnen, Videos oder Fotos zu teilen.

Die Untersuchung hat weiterhin ergeben, dass 31 Prozent der überprüften Apps und Webseiten keine effektiven Kontrollmechanismen haben, die das Sammeln von Benutzerdaten, vor allem von minderjährigen Nutzern, begrenzen. Das ist alarmierend – zumal viele Unternehmen, deren Seiten und Apps bei Kindern beliebt sind, es sich einfach  machen und in ihrer Datenschutzerklärung behaupten, dass sie nicht für Kinder gedacht seien. So zum Beispiel die bei Kindern und Jugendlichen beliebte Messenger-App WhatsApp, die laut AGB erst ab 16 Jahren genutzt werden darf.  Auf diese Weise umgehen die verantwortlichen Unternehmen die Implementierung von Kontrollen, die Kinder vor dem Abgreifen von persönlichen Informationen schützen könnten.

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Zudem unterstützen nur 24 Prozent der analysierten Webseiten und Apps die Einbeziehung der Eltern in die Aktivitäten ihrer Kinder. Besonders problematisch ist auch, dass 71 Prozent der vermeintlich kindgerechten Angebote keine Funktionen bieten, mittels derer Eltern Profil-Informationen löschen könnten, die zuvor von ihren Kindern eingegeben wurden.

Adam Stevens von der britischen Datenschutzaufsichtsbehörde ICO beschreibt die Ergebnisse als „besorgniserregend“ und sagt, dass „die Haltung, die von einer Reihe dieser Webseiten und Apps an den Tag gelegt wird, darauf hindeutet, dass sie kaum darauf achten, wie mit den persönlichen Daten, insbesondere denen von Kindern, umgegangen werden sollte.“

Immerhin entdeckten die Analysten auch positive Beispiele: Solche Apps und Webseiten bieten effektive Kontroll- und Schutzmechanismen für Eltern und Kinder, wie zum Beispiel eine Kindersicherung, vordefinierte Avatare um zu verhindern, dass Kinder versehentlich persönliche Daten teilen, Warnungen, die erscheinen, wenn Kinder versuchen private Informationen einzugeben, und Chatrooms, in denen die Beiträge permanent kontrolliert werden.

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